Angedacht

Weihnachten steht vor der Tür! Machst du auf?

Hallo zusammen!

Ups – es hat geklingelt!

Ich zucke zusammen. Ich erwarte eigentlich keinen Besuch.

Wer mag da wohl vor der Tür sein?

Vielleicht der freundliche Paketbote, der mal wieder für den Nachbarn ein Päckchen vom Versand- Giganten bringt und mich bittet, die weitere Zustellung zu übernehmen?

Oder mal wieder jemand, der mir heillos überteuerte Putztücher andrehen will?

Soll ich überhaupt aufmachen?

Ich geb´s zu: Solche mürrischen Gedanken überfallen mich hin und wieder, wenn es bei uns zuhause klingelt. Denn die Erfahrung hat mich nunmal gelehrt: Wenn es klingelt, will irgendjemand was von mir: mein Geld, meine Zeit, oder sonstwas.  

Früher, als ich ein Kind war, war das anders. Wenn es geklingelt hat, bin ich sofort zur Tür gesaust. Meist war ich der erste, der sie aufgemacht hat! Große Aufregung und Freude, jedes Mal. Weil ich einfach total neugierig war, wer da wohl hinter der Tür steht!

Ach, manchmal wünsche ich mir das auch: dass ich wieder so fröhlich und unbefangen zur Tür gehen könnte, voller Neugier und Vorfreude, wer mich da wohl besuchen kommt!

Denn wer sagt mir denn, dass es keine schöne Überraschung sein könnte? So wie neulich, als ich mit finsterem Gesicht die Tür öffnete und eine freundliche Frau aus der Gemeinde davorstand, mit einer Tüte Plätzchen in der Hand. „Hier, habe ich selbst gebacken! Ein kleiner Adventsgruß!“ Und da stand ich, und merkte, wie mein finsteres Knittergesicht sich in ein breites Lächeln verwandelte. Schön war das! Und tat richtig gut!

Heute ist nun der 4. Advent. Die vierte Kerze am Adventskranz sagt uns: Die Zeit der Vorbereitungen ist fast vorbei! Weihnachten steht vor der Tür!

Und wir - sitzen im Lockdown! Unsere oberste Bürgerpflicht heißt gerade: Dem Virus die Tür vor der Nase zuschlagen! Und das können wir nur tun, indem wir uns gegenseitig schützen und Abstand voneinander halten. Die Westfälische Landeskirche hat daher in der vergangenen Woche schweren Herzens und nach langem Ringen beschlossen, dass wir in den Evangelischen Kirchen in diesem Jahr an Weihnachten und bis zum Ende des Lockdowns keine Gottesdienste mehr anbieten, die dazu führen würden, dass Menschen sich aufmachen und einander begegnen. Denn jede Begegnung kann zu einer Ansteckung führen. Diese Entscheidung ist uns, und das sage ich ganz bewusst, unglaublich schwergefallen. Und auch für mich als Pfarrer ist es ein seltsames Gefühl, nun all meine Planungen für den Heiligen Abend zu stoppen.

Aber dennoch:  das alles bedeutet ja nicht, dass Weihnachten deshalb ausfällt! 

Im Gegenteil: Gott steht vor der Tür und klingelt, könnte man sagen. Gott kommt zu Besuch! Und hofft, dass wir ihn hereinlassen in unser Leben, in unsere Herzen.

Und, könnte man jetzt misstrauisch fragen: Was für eine Art Besuch ist das, wenn Gott kommt? Ist das noch so jemand, der etwas von mir fordert, etwas von mir will?

Im Gegenteil! Gott ist so einer, der kommt zu Besuch und bringt noch etwas mit!

Er ist wie ein Freund, der an einem traurigen Tag mit einer Flasche Wein vor der Tür steht und sagt: „Erzähl mir, was dich bedrückt! Ich habe Zeit für dich!“  

Er ist wie ein Kind, das dich an die Hand nimmt und dir fröhlich und unbeschwert die Welt zeigt und was daran großartig und zum Staunen ist.

Er ist wie ein freundlicher Müllwerker, der klingelt und sagt: Wie siehts aus? Wenn du möchtest, nehme ich deine Schuldgefühle, deine schlimmen Erinnerungen, deine Bitterkeit und all das mit, was deine Seele schwer macht! Ich kümmere mich darum, keine Sorge! Damit du neu und unbeschwert anfangen kannst!

Er ist wie das Licht einer Kerze, die in einem dunklen Raum leuchtet und sagt: Es wird niemals ganz finster sein für dich. Du bist nicht allein!

So ungefähr ist das, wenn man Gott die Tür öffnet.

Und wenn Sie sich in diesen Corona- Zeiten nach ihren Freunden und Verwandten sehnen, nach einer Umarmung, nach einem unbeschwerten Miteinander – dann könnte es nicht verkehrt sein, jetzt, in diesen letzten Tagen vor Weihnachten, einfach mal die Tür zu Gott einen Spalt offenzulassen. Denn für Gott gilt die Abstandsregel nicht. Der darf kommen – zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und man kann ihn beileibe nicht nur in Kirchen treffen!

Und wer weiß? Vielleicht hat er auch schon bei Ihnen geklingelt!

Machen Sie es sich schön! Und bleiben Sie behütet!
Monika Holthoff