Angedacht

Liebe Leserin, lieber Leser:

Haben Sie sich schon einmal etwas sehnlichst gewünscht – und waren doch davon überzeugt: „Das wird nie geschehen, das klappt nicht“?
So geschah es einem jungen Vater, der ein sehr krankes Kind hatte. „Epilepsie“ war die niederschmetternde Diagnose, in einer sehr schweren Ausprägung. Der Junge erlitt fast täglich Anfälle, fiel zu Boden und krampfte schwer. Abgesehen davon, dass man den Jungen deshalb nie allein lassen konnte und er sich oft auch bei seinen Anfällen lebensgefährlich verletzte, machte sein Leiden ihn auch zum Außenseiter. Viele glaubten sogar, er sei von einem bösen Dämon besessen.

Bei wie vielen Ärzten und Spezialisten waren sie schon gewesen mit dem Kind? Sie konnten es nicht mehr zählen. Niemand konnte helfen.
Bis dann eines Tages jemand sagte: Da gibt es einen. Der heilt Menschen, hoffnungslose Fälle. Er ist so was wie ein Wunderheiler. Geht doch mal zu dem! Was habt ihr zu verlieren?
Wunderheiler. Naja. Wahrscheinlich ein Scharlatan wie so viele andere.
Andererseits – was hatten sie zu verlieren?
Also machte sich der Vater auf. Nervös trug er sein Problem vor. Und schloss: „Wenn du kannst, so hilf uns bitte!“
Der Heiler sagte: „Alles ist möglich, wenn du nur daran glaubst!“
Oha.
Was sollte er jetzt sagen? Denn mit dem Glauben, das war so eine Sache. So oft hatte er den Ärzten vertraut und war enttäuscht worden.
Glaubte er wirklich daran, dass ein „Wunderheiler“ seinem Sohn helfen könnte? Man sagte ja, er stünde in besonderer Verbindung zu Gott. Ja, eigentlich war alles so hoffnungslos, dass nur noch Gott helfen konnte. Ein Wunder, das war es, was sie brauchten. Aber so was passierte doch nicht -  doch nicht für ihn, nicht für seine Familie!
Oder doch?
Er beschloss, noch einmal der Hoffnung eine Chance zu geben. Einen kleinen Augenblick schoss die wilde Hoffnung hoch und ein starkes Vertrauen zu diesem Mann, der da vor ihm stand. Und bevor sein Mut und sein Vertrauen ihn wieder verlassen konnten, sagte er schnell:
„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“
Und es geschah: Sein Sohn wurde gesund.

Diese Geschichte erzählt man sich von Jesus in der Bibel. Und der Satz „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ wurde für das Jahr 2020 als Jahreslosung gewählt. Warum? Wahrscheinlich, weil unsere Zeit eine Zeit ist, in der mehr Menschen denn je schwanken zwischen Glauben und Zweifeln. Weil es viele gibt, die so gerne und sehnlichst einen Halt in ihrem Leben hätten. Und auch gerne glauben würden. Aber der Zweifel lässt sie nicht los. Ist es nicht lächerlich, heutzutage noch an Gott zu glauben? Und: Was geschieht, wenn ich mich tatsächlich mal fallen lasse und auf Gott vertraue? Ein Wunder? Doch nicht mir!

Kennen Sie solche Gedanken?

Ich glaube, sie sind ganz natürlich. Jeder Mensch hat mal Zweifel an Gott. Es sind die Erfahrungen, die wir machen, die uns oft zweifeln lassen. Und wenn dann zum Beispiel ein geliebter Mensch oder gar ein Kind stirbt, dann fragt man sich: Wie kann Gott das zulassen? Warum werden wir so bestraft mit diesem Verlust? Manchmal trägt man auch schon so lange an einer Last, dass man schon gar nicht mehr weiß, wie es sich anfühlt, sorgen- oder schmerzfrei zu sein. Dann denkt man ja oft: „Mir kann eh keiner helfen. Diese Last muss ich alleine tragen.“ Das kann ein Schuldgefühl sein, oder eine große Sorge. Eine Angst vor irgendetwas: vor der Einsamkeit, vor dem Alleine- Sein. Vor Veränderungen im Allgemeinen. Oder davor, was eine Krankheit mit mir macht. Wie sie mich und mein Leben verändert.

„Mir kann eh keiner helfen.“

Sicher haben Sie das auch schon oft gedacht. Ich jedenfalls kenne diesen Gedanken. Die Jahreslosung aber ermutigt uns, mal ein bisschen mehr Vertrauen zu haben!Ich habe diesen Satz jedenfalls mal zum Anlass genommen und nachgedacht. Wann habe ich das letzte Mal meine Sorgen wirklich ernsthaft mit Gott besprochen? Wann habe ich ihm zum letzten Mal so richtig mein Leid geklagt, wenn es mir schlecht ging? Habe ich Gott vor einer wichtigen Entscheidung schon einmal um Weisung und Klarheit gebeten?

Wenn ich ehrlich bin: Ich bin so jemand, der glaubt, immer mit allem allein klarkommen zu müssen. Mir kann eh keiner helfen. Das muss ich schon alleine schaffen.

Aber das stimmt nicht! Gott bietet uns an, unsere Lasten und Sorgen mitzutragen. Er bietet uns an, uns heil zu machen. Er hilft uns, den richtigen Weg zu finden. Und im Herzen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Das können Sie nicht glauben? Ja, dem Vater in der Wundergeschichte ging es genauso.

Aber dann gab es diesen Moment, wo die wilde Hoffnung in ihm aufstieg. Wo er sich plötzlich danach sehnte, glauben zu können. Vertrauen zu haben, das nicht enttäuscht wird zum x-ten Mal. Deshalb klammert er sich einfach an Jesus, springt über den Abgrund seiner Zweifel und sagt: "Halt mich fest. Ich lass jetzt los!" Oder: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Für Jesus jedenfalls reicht dieser kleine Moment der Sehnsucht bei dem Vater des kranken Jungen. Dieser kleine Moment, wo er glauben WILL und doch nicht weiß, ob er es kann. Jesus glaubt für diesen Vater mit. Denn Jesus hat Glauben für zwei – oder für uns alle. Und so wird der Junge heil.

Ich wünsche uns allen ab und zu mal so einen Glaubens- Moment im neuen Jahr. Wo wir merken: Ich MÖCHTE gerne glauben. Ich möchte gerne vertrauen. Ich möchte meine Lasten mit Jesus teilen. Das reicht oft schon. Und wer weiß? Vielleicht erleben Sie es ja auch: Wie ein Wunder geschieht. Wie Hoffnung sich wieder Bahn bricht. Wie Vertrauen wächst und nicht enttäuscht wird. Wie eine Sorge leichter wird. Ich wünsche es Ihnen!

Ihre Monika Holthoff! 

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