Angedacht

DU hast Talent!

DU hast Talent!

Neulich wurde in unserer Familie mal wieder ein kleines Baby geboren! Mira Luise, 3500 Gramm schwer, 55 cm groß. Stolz postete mein Neffe ein süßes Foto von der Kleinen. Und alle waren natürlich schwer begeistert von dem neuen Erdenbürger, und es hagelte Glückwünsche in unserer Familiengruppe. Denn so ein kleines Kind ist ja immer Anlass zu großer Freude! Warum? Vielleicht, weil es uns Hoffnung macht auf eine Zukunft. Vielleicht auch, weil alles, was frisch und neu und noch völlig unberührt vom Leben ist, uns fasziniert.

Ich persönlich schaue Babys gerne in die Augen, wenn ich sie zum ersten Mal treffe. Und unwillkürlich frage ich mich dann: Was wird einmal aus dir werden? Welche Talente und Begabungen wirst du entwickeln? Und wohin wird dein Weg dich wohl einmal führen?

Ich finde, das ist vielleicht das Spannendste am Menschsein: Dass man im Laufe seiner Jahre herausfinden darf, welche Begabungen und Talente in einem schlummern.

Denn so hat Gott uns gemacht: Jede und jeder von uns hat bei seiner Geburt ein paar Talente in die Wiege gelegt bekommen. Wir nennen sie ja nicht von ungefähr „Be- Gabungen“. Also Talente, mit denen wir begabt – beschenkt werden.

Und da gibt es ja so unendlich viele!

Der eine ist ein kreativer Kopf, kann gut tüfteln und sich Lösungen für Probleme ausdenken. Der nächste ist eher ein Zahlenmensch, besonnen und nachdenklich. Der übernächste geht auf in der Hilfe für andere, kümmert sich gerne, hilft, wo er oder sie kann, und zieht daraus Zufriedenheit und Kraft, für andere da zu sein.

Andere können gut mit Kindern umgehen. Es gibt Menschen, die sind schon durch so viele Stürme gegangen, dass sie nun mit ihrer Gelassenheit Ruhe und Kraft verbreiten können. Die nächsten sind musikalisch talentiert, oder können wunderbar kochen und backen – ach, es gibt so unendlich viele Talente!

Und das größte Glück im Leben ist es doch, wenn man merkt: Mein Talent kann ich gebrauchen, um Sinnvolles zu tun und glücklich zu sein: In meinem Job, in meiner Familie, oder auch im Engagement für andere!

In unserem Predigttext für Pfingstmontag geht es genau darum. Paulus erzählt von den Talenten, die es in einer Gemeinde so geben kann. Und erinnert uns daran, dass Gott uns diese Talente geschenkt hat, um etwas Gutes damit anzufangen!

Paulus sagt:

„Es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr.

Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen. Er teilt einem jeden das Seine zu, wie er will. In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller.“

So ist das also: Jede und Jeder wird begabt. Was man erhält, bekommt man von Gott. Aber nicht zum Selbstbehalten, sondern zur Weitergabe. Zuerst empfangen. Dann weitergeben. Daraufhin etwas zurückkriegen. Und dabei glücklich sein!

So sollte Leben funktionieren!

So hat sich Gott das scheinbar gedacht. ER behält sich vor, welche Talente er an wen verteilt. Wichtig ist nur für uns daran zu denken, dass niemand, wirklich niemand leer ausgeht.

Immer wieder treffe ich Menschen, die das tatsächlich glauben: Dass sie leer ausgegangen sind bei der großen Talentvergabe. Diese Menschen sagen: Ich habe keine Phantasie, ich war keine Leuchte in der Schule. Ich war immer nur Hausfrau. Ich hab nichts Besonderes gelernt. Sie trauen sich selbst nur wenig zu. Und sind dabei ganz oft kreuz- unglücklich!

Ich versuche solche Menschen dann immer zu ermutigen, an tief vergrabene Träume zu denken. Das eigene Herz zu erforschen, wofür es brennt.

Manchmal hilft es auch, gute Freunde oder Verwandte zu fragen: Was glaubst du, kann ich besonders gut? Habe ich in deinen Augen eine besondere Begabung? Manchmal kann man staunen, was dabei herauskommt, wenn man so fragt!

Und oft genug geht es einfach darum, viele Dinge einfach mal auszuprobieren, ohne ewig diese Angst zu haben, dass es nicht klappt. Wenn es nämlich nicht klappt, ist man zumindest um eine Erfahrung reicher und hat etwas über sich selbst gelernt!

Tja, und was bedeuten all diese Gedanken für unsere Gemeinde, für die Paulus ja seine Worte geschrieben hat?

Sie bedeuten, dass wir ein großer Haufen voller toller Leute sind! Wir sind ausnahmslos Begabte! Und unsere Begabungen, die sollen und dürfen wir einsetzen für andere. In der Gemeinde geht das besonders gut! Denn die Gemeinde ist ja dafür da, dass wir einander gut tun und nach außen strahlen mit unseren Begabungen.

In der Gemeinde können wir einander Raum lassen, uns gegenseitig Freiraum geben, um unsere Begabungen auszuprobieren. Wenn wir das in unserer Gemeinde zulassen, werden wir staunen, was da alles zum Vorschein kommt!

Wir können mit großer Neugier alle Menschen, die uns in der Gemeinde begegnen, betrachten, und uns fragen: Welche Begabung hast DU wohl? Und wir können uns zusammen freuen, wenn wir sie entdecken, die Begabungen.

Und dann wird der, der mit Geduld begabt ist, die Ungeduldigen auffangen. Der Nachdenkliche wird die Heißsporne bremsen. Und die Heißsporne werden die Nachdenklichen mitreißen mit ihren tollen Ideen. Die Kreativen können sich bei uns austoben im Wuselgottesdienst oder in der Jungschar, die Musikalischen können im Gospelchor mitmachen oder beim Posaunenchor. Die Besonnenen können im Presbyterium eine wichtige Stimme haben. Die, die fest im Glauben stehen, können davon erzählen und anderen Zuversicht und Hoffnung geben. Die Sensiblen können andere trösten und besuchen. Die sturmerprobten können Gelassenheit verbreiten. Die Fröhlichen andere anstecken mit ihrer guten Laune.

Ach, es gibt so viel zu entdecken und die Gemeinde ist so ein wunderbares Spielfeld für unsere Begabungen!

Lassen Sie also nicht brachliegen, was in Ihnen steckt! Sondern fangen Sie einfach an, probieren Sie sich aus – zur Freude der Menschen und zur Freude Gottes.

Amen.

 


Es grüßt Sie herzlich,

Monika Holthoff