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Pfingsten - Fest des Heiligen Geistes

Am Wochenende feiern wir wieder Pfingsten! Den Geburtstag der Kirche, wenn man so will. Der Tag, an dem wir daran denken, wie der Heilige Geist über die Jünger Jesu kam und sie mit seiner Hilfe den Mut fanden, hinauszugehen und den Menschen von ihrem Glauben, ihrer Liebe, ihrer Hoffnung zu erzählen.

Mutlos, ängstlich, von Sorgen zermürbt, resigniert, ideenlos hockten sie miteinander in verschlossenen Räumen, sozusagen im selbstgewählten Lockdown.

Die Angst davor, das gleiche Schicksal wie Jesus zu erleiden, hielt sie drinnen. Sie waren eine geschlossene Gesellschaft, im wahrsten Sinne des Wortes. Niemand ging heraus, alle Euphorie war verschwunden.

Doch dann kam der Heilige Geist! Und fegte über sie hinweg wie eine Naturgewalt. Plötzlich war die Lust auf Neues wieder da! Die Lust darauf, ganz anders zu leben, neue Aufbrüche zu wagen. Türen und Fenster flogen auf – alle strömten ins Freie, zu den Menschen hin.

Irgendwie schaffte es der Heilige Geist, dass die Jünger plötzlich Zugang zu den anderen Menschen fanden. Sie fingen an, deren Sprache zu sprechen! Und plötzlich konnten die Menschen verstehen, worum es den Jüngern Jesu ging. Welcher Schatz sich in diesen Worten verbarg, die Jesus seinen Anhängern mit auf den Weg gegeben hatte.

Am Ende des Tages sollen 3000 Menschen sich entschieden haben, sich taufen zu lassen und zu dieser neuen Gemeinschaft gehören zu wollen.

Eine schöne Geschichte! Eine Erfolgsgeschichte. Sie steht am Anfang der Entstehung unserer christlichen Kirchen.

Inzwischen ist unglaublich viel passiert. Das Christentum hat sich über die ganze Welt ausgebreitet. Tapfere Männer und Frauen sind losgezogen, um Menschen für den christlichen Glauben zu gewinnen. Sie konnten beeindrucken mit Selbstlosigkeit und Nächstenliebe, mit einer Gemeinschaft, in der Standesunterschiede nicht zählten und in der man einander half.

Über 350 Jahre nach dem ersten Pfingstfest wurde das Christentum dann schließlich zur Staatsreligion, unter dem römischen Kaiser Theodosius. Es breitete sich weiter aus; Menschen kamen freiwillig, viele wurden aber auch von den Herrschenden in die Religion hineingezwungen.

Die großen Kathedralen wurden gebaut, Zeichen der Macht, der Pracht und der Stärke der Kirche. Die Macht stieg den Kirchenfürsten zu Kopfe und führte zu vielen Verfehlungen und schrecklichen Zeiten.

Hexenverfolgungen, Glaubenskriege, die Kreuzzüge waren solche Verwirrungen; und dann die Sklaverei und die gewaltsame Christianisierung der indigenen Völker.

Immer wieder gab es Abspaltungen, neue Richtungen, neue Glaubensformen.

Dann kam die Aufklärung und die Zeit, in der die Macht der Kirche zurückging. Bewusst wurden in vielen europäischen Ländern die Kirchenoberen nun aus der Regierung herausgehalten. Staat und Kirche wurde voneinander getrennt - mal mehr, mal weniger. Die Zugehörigkeit zur Kirche war nun keine Pflicht mehr, sondern freiwillig. Und niemand sollte mehr wegen seiner Religion Verfolgung oder Zwang erleiden müssen.

Heute nun, im Jahr 2022, liegen gut 2000 Jahre Kirchengeschichte hinter uns. Immer noch halten sich rund 2,3 Milliarden Menschen auf der Welt, das sind immerhin 32% der Weltbevölkerung, zum Christentum.

Doch es gibt keinen Automatismus mehr, was die christliche Zugehörigkeit angeht!

Kinder werden nicht mehr fraglos getauft, weil „man das so macht.  

Viele Menschen fragen sehr genau nach, was der christliche Glaube und die Zugehörigkeit zur Kirche ihnen noch „bringt“. Welchen Nutzen sie davon haben.

Und so wie damals, beim ersten Pfingstfest in Jerusalem, müssen wir heute wieder ganz neu Menschen in ihrer eigenen Sprache ansprechen, hinausgehen, und sie überzeugen: mit dem, was wir predigen, und auch mit dem, was wir tun.

Die letzten beiden Jahre der Pandemie haben uns in dieser Hinsicht sehr herausgefordert! Denn das, was uns Christen doch ausmacht, wurde uns weitgehend verwehrt: die Gemeinschaft nämlich, der Austausch von Mensch zu Mensch, das Miteinander.

So langsam wird es wieder besser: wir trauen uns wieder, uns zu treffen, und das Gemeindeleben hat wieder Fahrt aufgenommen.
Gut, wenn wir jetzt den Heiligen Geist in unserer Mitte haben! Mit neuen Ideen, neuem Schwung, neuer Kreativität wollen wir die Botschaft Gottes immer wieder neu in unsere Zeit hineinsagen.

Möge er also wehen, dieser uralte, immer neue Geist. Und schau´n wir mal, wo wir ankommen. Hoffnung auf Besserung ist in Sicht. Grund zum Verzagen haben wir nicht.

Denn das Gute ist: Wir werden in allem, was wir tun, nicht allein sein. Und das Ziel? Das ist ohnehin immer klar definiert. Am Ende führen alle Wege auf Gott zu! Auch wenn immer wieder alles anders wird: In ihm werden wir immer geborgen sein. Amen.