Angedacht

DU hast Talent!

Schick uns dein Lied!

 „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Fröhlichen nachdenklich, die Verzagten zuversichtlich, die Stolzen demütig zu machen und Neid und Hass zu mindern, denn die Musica“, hat Luther einmal gesagt. Deshalb ist er ja auch selbst unter die Liederdichter gegangen. Manche sagen, und ich gehöre auch dazu: Luthers Lieder waren etwas hölzern und nicht besonders kunstvoll oder elegant. Man merkt ihnen an, dass Luther eben kein Musiker war, sondern ein Mann des Wortes. Aber sie drückten aus, was er fühlte und sagen wollte, vielleicht besser als alles andere, was er mit Worten ausgedrückt hat. „Ein feste Burg ist unser Gott“ zum Beispiel. Ein Lied mit teilweise grauenhaften, hölzernen und gezwungenen Reimen! Aber gleichzeitig auch ein Lied, das sozusagen zur „Hymne“ der protestantischen Bewegung geworden ist und das bis heute immer wieder gerne gesungen wird. Weil es das trotzige Lebensgefühl, das „Hier stehe ich und kann nicht anders – Gott helfe mir, Amen!“ Luthers auf unvergleichliche Weise spürbar macht.

Es gibt so viele Lieder, die im Laufe der Kirchengeschichte zu solchen „Hymnen“ und Kirchenschlagern geworden sind.

Lieder wie „Großer Gott, wir loben dich“ – noch kürzlich auf einer Konfirmation gesungen. Viele Menschen, auch die modernen, kirchenfernen, singen es nach wie vor mit erhebendem Gefühl und manchmal mit Tränen in den Augen.

„Nun danket alle Gott“ – gesungen von Hunderten von Heimkehrern aus der russischen Kriegsgefangenschaft in den fünfziger Jahren. Wie viel Leid, wie viel Dankbarkeit und wie viel Rührung kamen da an die Oberfläche in den ausgezehrten Gesichtern! 

Oder: „So nimm denn meine Hände“ -  wie oft habe ich das schon mit Trauernden gemeinsam auf Beerdigungen gesungen. Genauso das Lied Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ – auch so ein Lied, das sich Menschen immer wieder wünschen und das wir zum Beispiel traditionell am Ewigkeitssonntag singen und natürlich auch an Silvester, am Jahresübergang.

Jede Zeit, jede Epoche findet ganz automatisch ihre Lieblingslieder. Die jungen Menschen mögen es, wenn man die Texte gut verstehen kann. „Danke für diesen guten Morgen“ – ein simples, leicht zu singendes Lied mit einer fröhlichen Melodie – steht nach wie vor ganz oben in den Charts. Aber auch andere Lieder kommen dazu: „Möge die Straße“ zum Beispiel, ein Lied, das einen irischen Segenswunsch vertont. Oder „Laudato si“ – der unbeschwerte Lob gesang nach dem Sonnengesang von Franz von Assisi. Seit den 70ger Jahren immer wieder ein Schlager in der jungen Kirche.

Neue Lieder kommen immer wieder dazu. Und wenn bei Trauungen aus dem modernen Liedgut, auch aus der modernen Pop- Literatur eine Sängerin oder ein Sänger ein romantisches Lied singt, dann fließen nicht nur bei der Braut, sondern oft genug auch beim Bräutigam und bei der ganzen Hochzeitsgemeinde die Tränen.

Musik ist so - anders als das Wort, das man sagt, das meistens den Kopf oder den Verstand anspricht, berührt Musik unsere unmittelbaren Tiefenschichten. Sie spricht unser Gefühl an. Und dabei kann Musik ja nicht nur beispielsweise Freude ausdrücken. Musik kann unendlich traurig sein, rührend, wehmütig, sie kann aber auch dem Zorn, dem Trotz und der Wut ein Ventil geben Sie macht mutig, sie spornt an, sie lädt zum Tanzen ein oder zur Bewegung. Sie lässt uns die Liebe spüren, die wir für andere empfinden. Sie steckt an mit Lebenslust. Sie holt tatsächlich nicht selten die Melancholischen aus ihrer Trauer heraus, macht die Zaghaften wieder zuversichtlich und verhilft den Sorgenvollen zu mehr Hoffnung.

All das leistet die Musik mit Leichtigkeit! Und das ist wunderbar!

Kein Wunder, dass in unseren Gottesdiensten daher das Singen so eine große Rolle spielt!

Und weil das so ist, ist unser Gesangbuch auch so wichtig!

In einigen Jahren soll es wieder eine Neuauflage geben. Und weil Musik sich wandelt und immer mehr moderne Musik in den Kirchen Einzug hält, gibt es eine Aktion, auf die ich euch heute aufmerksam machen möchte. Die Aktion heißt „Schick uns dein Lied“. Es geht darum, dass möglichst viele Menschen online ihre 5 Lieblingslieder schicken, die ihrer Meinung nach unbedingt ins neue Gesangbuch gehören. Das können Lieder sein, die schon im Gesangbuch stehen, aber auch Lieblingslieder, die in anderen Liederbüchern sind und unbedingt in das neue Gesangbuch hineingehören.

So will man es hinbekommen, dass die neuen Lieder, die immer mehr gesungen werden, auch einen Platz im Gesangbuch kriegen.

Habt ihr Lust, mitzumachen?

Dann googelt einfach mal EKD – Schick uns dein Lied. Und macht mit!

Denn nur so wird unser neues Gesangbuch ein echter Hit!