Angedacht

In seinem Buch „Komm, wir finden einen Schatz!“ erzählt der Kinderbuchautor und Zeichner Janosch die Geschichte vom Tiger und vom Bär, die dicke Freunde sind. Als der Bär einmal den ganzen Tag keinen einzigen Fisch fängt, fangen sie an, miteinander zu überlegen, was denn wohl das größte Glück der Erde ist. Der Tiger sagt: „Reichtum! Dann könnten wir uns zwei Forellen kaufen! Und Bienenstichkuchen.“ Beide überlegen nun gemeinsam, was man alles kaufen könnte, wenn man reich wäre. Sie sind ganz begeisterte Zeitgenossen, deshalb fällt ihnen ganz viel ein: Forellen, weil sie die so gerne essen, ein Schlauchboot, eine Hollywoodschaukel, eine Rennfahrermütze mit Schnalle, Pelzstiefel und noch einiges mehr. Weil sie also dringend zu Reichtum kommen müssen, beschließen sie: „Komm, wir finden einen Schatz!“ Sie machen sich mit Schaufel, Seil und Eimer an die Arbeit. Weil sie beim ersten Graben nichts finden, machen sie sich gemeinsam auf den Weg. Immer wieder treffen sie Gestalten auf diesem Weg, die ihnen Tipps geben und ihre eigene Ansicht über das größte Glück der Erde kundtun.

Der blinde Maulwurf sagt: Das größte Glück ist, wenn man gut hören kann!
Der Löwe sagt: Kraft und Mut sind das größte Glück!
Und der Esel: Das Glück liegt in der Ferne!
Tiger und Bär aber beharren darauf: Sie suchen einen Schatz, eine richtige Kiste voll mit Gold und Geld. Sie rudern mit ihrem Boot über den Fluss, müssen durch den großen, wilden Wald, eine lange Straße entlang und sogar über das Meer. Zwischendurch geht ihnen die Luft aus.  Sie verlieren schon fast die Hoffnung, den Schatz jemals zu finden. Der kleine Bär fragt den Tiger: „Warum gehst du denn so krumm? Und der Tiger antwortet, er sei so unglücklich, weil sie noch immer keinen Schatz gefunden haben. „Dann steig auf“, sagte der kleine Bär. „ich trag dich ein Stück“. Irgendwann wird dem Bären der Tiger zu schwer und sie tauschen. So kommen die Freunde ein gutes Stück voran.

Irgendwann finden sie einen Baum mit goldenen Äpfeln. Sie sammeln sie in großen Körben auf dem Rücken. Sie ächzen unter der Last und können einander nun nicht mehr tragen – kein Platz mehr auf dem Rücken. Sie lernen: Man kann nur eines tragen – seinen besten Freund, oder einen Korb mit Gold! Gut, dass sie „ihren Schatz“ bald wieder loswerden und mit leeren Händen dastehen. So sind sie wieder frei dafür, einander wieder zu tragen. Erst einer ein Stück, dann der andere ein Stück. Glücklich und erleichtert kommen sie miteinander zu Hause an. O, was war das für ein Glück! Echt wahr! -         So endet die kleine Geschichte von Janosch. Für mich ist sie eine wunderbare Veranschaulichung eines Wortes von Paulus aus dem Galaterbrief, das heißt:

Einer trage des anderen Last – so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen!

Bär und Tiger haben es am Ende begriffen: Geld und Reichtum und ein großer Schatz machen sie nicht glücklich. Das größte Glück der Erde liegt auch nicht in der Ferne, sondern oft ganz nah: Wenn du einen hast, der dich trägt, wenn du müde bist oder ganz unglücklich und verzagt. Das Gute ist: Wir Menschen können das gegenseitig füreinander tun.So hat Gott sich das gedacht! Er hat uns Menschen so geschaffen, dass wir einander helfen können und sollen. Schon bei der Erschaffung von Adam und Eva hat er das so vorgesehen. Eva sollte Adam eine Hilfe sein, die ihm gleichberechtigt gegenübersteht. Und so ist es auch gekommen.Seitdem können wir einander Lasten abnehmen. Und das ist ein wahres Glück! Echt wahr!

Ihre M. Holthoff!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen