IMPULSE - Unsere Gedanken für den Tag

Kinder, habt ihr nichts zu essen? Gedanken zum Sonntag Quasimodogeniti

Quasimodogeniti – auf deutsch „Wie die neugeborenen Kindlein“. So sollen wir uns  fühlen, eine Woche nach Ostern!

Ermutigt von der Botschaft der Auferstehung, voller Tatendrang, befreit von Lasten, frisch und neu.

Doch so einfach ist das ja nicht!

War es schon damals nicht, nachdem Jesus auferstanden war.

Es scheint vielmehr zu sein, als wäre bei den Jüngern nach der Freude und der Begeisterung schnell auch wieder eine gewisse Ernüchterung gekommen. Jedenfalls erzählt Johannes das so im 21. Kapitel seines Evangeliums.

O.K, Jesus war auferstanden. Das war toll und großartig! Aber er war auch immer nur kurz seinen Jüngern erschienen. Es war nicht mehr so wie früher. Er war nicht mehr so nahe und immer greifbar. Was sollte jetzt geschehen?

Zögernd und unsicher zeigen sich die Jünger in der Geschichte. Ganz und gar nicht österlich- strahlend. Wir treffen auf sieben der Jünger, die ganz einfach zu ihrer alten Arbeit zurückgekehrt sind. Sie haben wieder mit dem Fischen angefangen, am See Genezareth.  

Petrus ist auch dabei. Müde und antriebslos sagt er eines Morgens: Ich geh dann mal fischen. Und die andern sagen: na gut, kommen wir eben mit. So, als ob sie sonst nichts zu tun hätten.

Das Fischen der Sieben aber bleibt ergebnislos. Und als der Morgen graut und alle noch auf das dreckige, tangverklebte, leere Netz starren, steht da Jesus am Ufer, unwirklich im morgendlichen Zwielicht. Sie erkennen ihn nicht.

Er spricht sie seltsam an: „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ – und dann, als sie verneinen, bewirkt er einen wunderbaren Fischzug.

Plötzlich erkennen sie: Es ist der HERR! Und als sie mit ihrem Fang ans Ufer gerudert sind, da braucht Jesus ihre Fische gar nicht. Denn das Frühstück ist schon fertig. Brote und Fische rösten über dem Kohlenfeuer. Jesus gibt ihnen zu essen. Und schon ist die dritte Offenbarung Jesu zu Ende.

Seltsam!

Und doch faszinierend, diese Geschichte!

Sie bekommt erst einen Sinn, wenn wir sie verstehen als eine buchstäblich nach- österliche Geschichte. Als eine Geschichte, die an uns, die nach- österliche Gemeinde, gerichtet ist.

Die Kirche steht nach dem allerersten Ostern im Zugzwang. Sie hat die Auferstehungsbotschaft im Rucksack dabei. Die erste Freude aber ist einer leichten Ernüchterung gewichen. Jesus ist immer bei uns, ja, schon, aber irgendwie auch nicht. Irgendwie müssen wir doch selbst sehen, wo wir bleiben. Wir müssen die Regie übernehmen. Wir müssen sehen, dass er lebendig bleibt unter den Menschen. Auch, dass die Auferstehungshoffnung unter ihnen lebendig bleibt. Längst haben wir das Ruder übernommen im Schiff, das sich Gemeinde nennt.

Wir sind Kapitäne des Schiffs, das sich Gemeinde nennt und oft genug mehr schlecht als recht durch die Zeit dümpelt. So wie Petrus, der sagt: „Ich geh dann mal fischen.“

Dieses Gefühl, muss ich sagen, kenne ich. Dieses Gefühl: man müht sich doch redlich, und trotzdem ist der Erfolg eher mager. Im Großen und Ganzen tut man seine Arbeit, und die auch ganz gut, aber trotzdem kann man die Kirche nicht retten. Wir werden immer weniger, die Menschen treten aus der Kirche aus. Wer interessiert sich heute noch für die biblischen Geschichten? Und das, wo wir doch so viel anbieten!

Und Jesus, der Auferstandene?

Der steht am Ufer. Schweigt. Beobachtet uns. Lässt uns nicht aus den Augen.

Und schließlich spricht er uns an: Meine Kinder, habt ihr was zu essen?

Anders gesagt: Habt ihr was Gutes, Reelles anzubieten? Gibt es bei euch was zu holen? Wo die Menschen satt werden? Wisst ihr noch, wo ihr das kriegt?

Nein, sagen die Jünger, und sagt die Kirche müde. Nein, wir haben nichts gefangen. Hier, wo wir suchen, gibt es nichts.

Doch Jesus weist den Weg. Er sagt: Werft euer Netz an der anderen Seite aus. Da, wo ich euch sage. Und als die Jünger ihm vertrauen, da fangen sie plötzlich wieder etwas..

Doch Jesus braucht diese Fische gar nicht, um die Jünger satt zu kriegen. Er hat das Frühstück schon bereitgestellt, als die Jünger mit dem Fang kommen.

Er gibt den Jüngern zu essen. Niemand sonst. Bei ihm bekommen sie Nahrung, die sie brauchen. Brot des Lebens.

Eine Kirche, die sich selbst die Netze füllen will, wird eines Besseren belehrt. Sie wird beschenkt mit dem, was sie braucht. Das muss sie immer wieder lernen, nach Ostern. Dass sie immer wieder zur Quelle zurückkommen muss. Dass sie diesem auferstandenen Jesus immer wieder begegnen kann. Auch und gerade da, wo sie es nicht erwartet. Mitten im grauen Alltag. Mitten da, wo sie müde auf ihre Erfolglosigkeit starrt.

Eine Kirche, die sich bei Jesus nicht ab und zu ihre Nahrung abholt, wird langsam verhungern. Das ist die Botschaft dieser Geschichte.

Und im Grunde gilt das für jede und jeden Einzelnen von uns genauso wie für die Kirche insgesamt. Wir dürfen nicht aufhören, uns mit den Geschichten der Bibel zu beschäftigen. Wir dürfen nicht aufhören, immer wieder offen zu sein für das, was Gott uns schenkt: an Gelegenheiten. An überraschenden Begegnungen. Wir dürfen nicht vergessen, uns ihm anzuvertrauen und ihn um Unterstützung zu bitten. Gott wartet darauf!

Wenn wir alles immer allein stemmen und schaffen wollen, dann wird alles, was wir tun, schnell zum Krampf. Und der Erfolg mäßig bis mager. Ein vom Ufer aus rufender Jesus erinnert uns heute daran, dass wir nicht vergessen sollten, wo unsere Wurzeln sind und wo wir Nahrung für unsere Seele bekommen. Er erinnert uns daran, dass er da ist, wo wir ihn brauchen, auch wenn wir meinen, außer Nacht und Nebel sei da nichts anderes mehr.

Manchmal merke ich, wie auch ich das vergessen habe. Und staune auch immer wieder, wie gut es tut, Gott tatsächlich um Hilfe zu bitten. Meist geschieht dann erstaunliches: Ein wunderbarer Fischzug. Eine neue Begegnung. Eine kreative Idee, die Kreise zieht.

Vielleicht probiert ihr es auch mal aus und wer weiß, was dann passiert!